Teil 1Der Bericht (1963)

Eidesstattliche Erklärung vom 2. März 1946

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Durch Zufall erfuhr ich, dass Herr Hermann Wenkart von einzelnen Lagerkameraden wegen seiner Tätigkeit als Lagerführer Angriffen ausgesetzt wurde. Nun hatte ich zufällig Gelegenheit, Wenkart während der Zeit vom August 1941 bis 15. Jänner 1944 genau zu beobachten und so muss ich um der vollsten Wahrheit gerecht zu werden, nachstehendes an Eidesstatt aussagen. Für das Angeführte bin ich bereit, vor jedem gewünschten Forum jederzeit die Richtigkeit meiner Angaben zu beeiden.

Ich war Bauschreiber bei der Firma Autheried, die im Jahre 1941 Arbeiten am Fliegerhorst Deblin auszuführen hatte. Bei der Errichtung des Drahtzaunes am Judenlager im August 1941, lernte ich Wenkart, der als Kanzleiführer tätig war, kennen. Vom Anfang an, fiel mir die Art seiner Betätigung auf. Sein Einsatz für die ihm unterstellten Juden, seine Fürsorge, sein kameradschaftliches Verhalten, war derart beispiellos, dass wir Dienstverpflichteten uns nicht genug wundern konnten, über so viel Mut und Energie, bei dieser eminenten Lebensgefahr, in der jeder Jude, die im Vordergrund Stehenden umso mehr, sich im Generalgouvernement befanden. Ich war selbst Augenzeuge, wie Wenkart durch festes Auftreten deutschen Sadisten gegenüber unter eigener Lebensgefahr, begonnene Mißhandlungen von Juden,einstellte. Unzählige Male hat Wenkart eingesperrte Lagerinsassen, die dadurch in Todesgefahr gerieten, daraus gerettet.

Bei der am 6. Mai stattgefundenen Aussiedlung in Deblin, war es Wenkart, auf dessen Initiative der Bauleiter der Firma Ing. Kozak sich dazu hergab, mehr als 100 Juden, darunter 3 Frauen in einem Lagerschuppen der Firma zu verstecken und so der SS zu entziehen, die damals mehr als 1600 Juden, nur Arbeitsfähige, in ein unbekanntes Ziel, vielleicht in den Tod, evakuierte.

Im Oktober 1941 löste die Bauleitung der Luftwaffe das Judenlager auf und Wenkart, den die ganze Firma hoch schätzte, wurde mit 102 Juden in die Dienste der Firma Autheried genommen. Wenkart wurde Gruppenführer und hatte die Lohnverrechnung, Arbeitseinsatz und Betreuung der Juden über. Über seine Tätigkeit bei uns, bis zur Übernahme der Lagerführung des im Juli 1942 wieder errichteten Judenlagers, kann nicht nur ich, sondern auch nachstehende, in Wien lebende Personen:

Ing. Kozak, damals Bauleiter, Wien XVI, Friedmanngasse 1 a,

Maierhofer, Arbeiter, Wien X, Troststraße 81,

Hammermaier, Arbeiter, Wien XIX, Heiligen Städter Straße 84/53/10,

Folgendes sagen:

Wenkart hat bei der Firma Autheried durchgesetzt, dass die ihm unterstellten Juden menschlich behandelt wurden, was damals im ganzen Osten einzig dastand. Aber nicht nur das hat Wenkart erreicht, höhere Löhne als vorgeschrieben wurden, als Akkordlöhne und Überstunden getarnt, an die Juden bezahlt. Weiters hat Wenkart bei den deutschen Behörden, bei den polnischen Amtsstellen, Nahrungsmittelzuschüsse für die Juden durchgesetzt, die uns allen unvorstellbar schienen. Die Arbeitsleistung des Wenkart selbst war nicht nur erstklassig in jeder Weise, nicht nur einwandfrei in jeder Hinsicht, sie war derart einsatzbereit für seine Leidensgenossen, dass wir bei der Firma in all den späteren Hitlerjahren ihn als leuchtendes Beispiel sehr oft erwähnten. Im Oktober 1942 wurden wir weiter nach Slonim verlegt. Meine Verbindung mit dem Judenlager Deblin blieb aufrecht, da ich wieder über Initiative des Wenkart, für seine Wiener Kameraden, Engel, Pollak, Grossmann und Gärtler, die dienstlichen Reisen nach Wien, die mehrmals im Jahr stattfanden, dazu benützte, um Nachrichten und Pakete aus Wien nach Deblin zu überbringen. Während meiner oftmaligen Besuche im Lager konnte ich wiederholt immer wieder feststellen, dass Wenkart unter Einsatz seines Lebens Ungeheures für die Juden leistete und muss meinem Erstaunen Ausdruck geben, dass Wenkart überhaupt von irgendjemand angegriffen wird.

Ich bin über Vorschlag aller 3 Parteien Betriebsratsobmann der Firma Autheried (ca. 500 Beschäftigte) und wenn gegen eine solche selbstlose Persönlichkeit, wie ich sie in Herrn Wenkart kennen lernte, unverantwortliche Elemente, die vielleicht selbst Lagerschädlinge waren, Angriffe richteten, so halte ich es für meine persönliche Pflicht, dagegen Stellung zu nehmen.

Jederzeit bin ich gerne bereit, mich persönlich und unter Eid diese meine Angaben zu vertreten.

Julius Haczek

Wien 20, Leystraße 23/16/4

Eidesstattliche Erklärung

Anläßlich einer Besprechung mit dem Obmann unseres Betriebsrates Herrn Haczek, erzählte mir dieser, dass mein früherer Lohnverrechner und Gruppenführer, Herr Wenkart, von einigen seiner Lagerkameraden in Deblin verschiedentlich angegriffen wird. Nachdem ich annehme, dass Wahrheit in vielen Fällen auch ein gewichtiges Wort ist, lege ich folgendes an Eidesstatt fest.

Ich war im Jahre 1941 und 1942 von meiner Wiener Firma Ing. C. Autheried & Co. mit der Bauleitung und Durchführung verschiedener Arbeiten am Fliegerhorst in Deblin beauftragt. Als Arbeitskräfte wurden mir am Anfang Wehrmachtsarbeitskolonnen und einheimische Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt, bei der Bauleitung selbst waren in eigener Regie jüdische Lagerinsassen eingesetzt. Nach einigen Wochen erhielt die Bauleitung den Auftrag, einen Großteil der Arbeiten von Firmen durchführen zu lassen. Mit den Arbeiten übernahm ich auch Herrn Wenkart mit seiner ganzen Gruppe von Arbeitskräften, nachdem ich ihn selbst schon persönlich kannte und er mir von der Bauleitung auch als sehr gerechter, aufrechter Gruppenführer dem die ganze Partie anhänglich ist, empfohlen wurde.

Die ihm von mir übertragenen Arbeiten führte er mit seiner Gruppe zufriedenstellend durch und lehnte jedwede Anpöbelei oder aber auch Mißhandlung von Angehörigen seiner Gruppe von Seiten überspannter ziviler oder uniformierter Aufsichtsorgane auf das energischeste ab, nachdem ich ihm gleich zu aller Anfang sagte, dass nur das was ich anordne, durchzuführen ist. Von dieser Anordnung machte er zum Schutze seiner Kameraden zahlreich Gebrauch, indem er selbst übereifrige Aufsichtsorgane ganz gehörig stutzte, die sich anmaßten, mit den Juden nach eigenem Gutdünken umgehen zu können.

Dies kam mir aus vielen Beschwerden zu Ohren, welche von mir dahingehend richtiggestellt wurden, dass Herr Wenkart nur meine Befehle ausführt und es seine Pflicht ist, seine Kameraden und seine Person vor Übergriffen zu schützen.

Herr Wenkart führte bei mir für seine Partie gleichzeitig die Lohnverrechnung und war auch stets auf dem Posten, wenn es hieß, für seine Leute etwas herauszuschinden in Form von Lebensmittelzubußen, Verrechnung von Akkordlöhnen etc. Dass auch seine Leidensgenossen mit ihm als Haupt zufrieden waren, es hatte jeder Mann, gleichgültig, welcher Nation oder Religion, meiner diversen Baustellen, immer das Recht, zu jeder Zeit Wünsche und Beschwerden, allgemeiner oder persönlicher Natur, mir vorzubringen, beweist der Umstand, dass mir Klagen über Herrn Wenkart nicht zu Ohren gekommen sind, im Gegenteil, dass, als es sich herumgesprochen hat, dass ich auf eine neue Baustelle nach Zolkiev bei Lemberg kommen werde, viele mich persönlich und durch ihren Gruppenleiter Herrn Wenkart haben bitten lassen, ich möchte die ganze Partie mitnehmen.

Ich muss nur aufrichtigst betonen, die ganze Lagerkameradschaft stand wie ein Mann hinter ihrem Lagerführer Herrn Wenkart.

Wien, den 30. April 1946

Dipl.-Ing. Kozak

Wien XVI, Friedmanngasse 1 a/I.

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