Teil 1Der Bericht (1963)

Vorwort zur Ausgabe von 2024

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Dies ist die Geschichte meiner Familie, genauer die Geschichte der frühen Kindheit meiner Mutter Ruth, deren Schicksal in Deblin in diesem Buch eine wesentliche Rolle spielt. Nach dem Krieg kam meine Mutter mit Herrmann Wenkart, den ich leider nur kurz als meinen Großvater kannte, und seiner Frau Klara, meiner Großmutter, nach Wien. Meine Mutter wurde von den Wenkarts, die auch nach dem Krieg in Österreich blieben, in Wien großgezogen. Herrmann Wenkart verstarb 1974.

1959 lernte Ruth meinen Vater Raphael Marcovici in Wien kennen. Mein Vater, selbst ein Holocaust- Überlebender, wurde 1944 von Siebenbürgen in Rumänien gemeinsam mit seiner Schwester Blanca nach Auschwitz deportiert. Blanca wurde Ende 1944 in Auschwitz ermordet. Im Jänner 1945 wurde mein Vater nach Dora Mittelbau verbracht, wo er am 11. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Die restliche Familie meines Vaters, seine Eltern, seine zwei weiteren Schwestern und drei Brüder sind nach Kanada und Israel geflüchtet.

Meine Eltern blieben in Wien und bauten gemeinsam eine Supermarktkette auf, die sie bis zum Tod meines Vaters 1982 betrieben. Meine Schwester Annette kam 1963 zur Welt und ist leider viel zu früh, im Alter von 29 Jahren, gestorben. Ich selbst kam 1969 zur Welt, bin heute im Maschinenbau tätig und lebe ebenfalls in Wien.

Erst viele Jahre nach dem Krieg hat meine Mutter begonnen nach Verwandten zu Familie niemand den Kontakt zur weiteren Verwandtschaft vorhanden war, dauerte es sehr lange bis es ihr schließlich 1995 gelang, ihren Halbbruder Paul in Paris, wohin der leibliche Vater meiner Mutter noch während des Krieges geflüchtet war, ausfindig zu machen. Letzterer war allerdings bereits fünf Jahre zuvor aus dem Leben geschieden.

Aus Ihrer Kernfamilie hat nur Ihre Tante Clara, welche Sie später adoptierte sowie der Vater den Holocaust überlebt. Ihr Grossvater Emanuel, die Schwester Hedwig und Ihre kleine Tochter sowie Ihre Mutter Anna wurden ermordet.

Meine Mutter Ruth Marcovici ist am 2. August 2024 in Wien verstorben, die letzten Jahre hat Sie im jüdischen Altersheim Maimonides in Wien verbracht.

Im Mai 2013 habe ich mich dazu dereinst entschlossen, das Buch meines Großvaters von 1963 noch einmal zu verlegen und im Oktober 2024 die Ausgabe nochmal um Bildmaterial erweitert neu Aufzulegen. 2013 vor allem weil es irgendwann nicht mehr möglich war, alte Exemplare zu finden die meine Mutter gerne Bekannten zum Lesen gegeben hätte.

Jetzt 2024 aber auch weil das Interesse an Zeugnissen aus dieser Zeit an Aktualität nicht verloren hat und ich das Buch und dessen Botschaft der Versöhnung und die Geschichte von einem der „Gerechten unter den Völkern“ einem größeren Publikum zugänglich machen will.

Die Geschichte die mein Grossvater in diesem Buch erzählt ist eine Geschichte der Hoffnung, wo inmitten der grössten Katastrophe der Juden in einem Lager in Deblin sich ein kleines Wunder oder ein einzigartiger Zufall ereignete und ein österreichischer Offizier sein Leben riskierte um 400 wiener Juden das Leben zu retten. Hier gibt es auch eine Parallele zum Überleben meiner Onkel und Tanten in Rumänien, auch Sie wurden von Christen aus dem Dorf Budest gerettet und Jahrelang in Ihrem Versteck im Wald durch diese versorgt. Diese beiden Geschichten haben auch mich geprägt und ich hoffe mit der Verbreitung dieses Buches auch anderen diese positive Botschaft der Menschlichkeit mitgeben zu können.

Michael Marcovici, Wien 2024

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